Eine ganz normale Familie im Advent

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nordseeobelix
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Eine ganz normale Familie im Advent

Beitragvon nordseeobelix » Fr 30. Nov 2012, 20:51

1 Eine ganz normale Adventszeit in einer ganz normalen

deutschen Familie

Die Weihnachtsdekoration

Es ist Mitte November. Die Tage sind grau. Wir sind bei Familie Müller zu

Gast. Familie Müller: Das sind der Vater Klaus, die Mutter Gaby und die

Kinder Pauline und Patrick. Zur Familie gehören dann noch der

Familienhund Benno und Katze Mietze. Mutter Gaby sagt: „Klaus, denk an

den Weihnachtsschmuck. Er muss aus dem Keller geholt werden.“ Klaus

guckt hinter seiner Zeitung hervor und antwortet: „Mach ich“. Gaby fragt:

„Wann?“.

Klaus: „Nachher“. Gaby: „Wann ist nachher?“. Klaus: „Nachher ist gegen

fünf.“

Gaby: „Was, erst gegen fünf. Das sind noch drei Stunden. Kannst du nicht

gleich gehen?!“ Klaus: „Nein, ich lese jetzt Zeitung.“ Gaby: „Die dumme

Zeitung, die ist nachher auch noch da.“ Klaus: „Dein Weihnachtsschmuck

auch.“

Gaby: „Ja, aber der Schmuck ist wichtiger als die Zeitung! Geh jetzt die

Weihnachtsdekoration aus dem Keller holen.“ Klaus: „Nein ich lese die

Zeitung noch zu Ende.“ Gaby: „Das finde ich nicht nett von dir. Jetzt muss

ich die Dekoration allein aus dem Keller in den fünften Stock tragen.“ Sie

dreht sich um und geht in Richtung Tür. Klaus: „Du kannst doch warten,

bis ich mit dem Lesen fertig bin.“ Gaby: „Nein, ich muss noch so viel

machen!“ Wütend geht sie in den Keller, holt die Weihnachtsdeko und

spricht den ganzen Abend mit Klaus kein Wort mehr. Na das können ja

schöne Weihnachten werden. Fortsetzung folgt…

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Fortsetzung – Das Plätzchenbacken

Gaby hat sich überlegt, heute Plätzchen backen zu wollen. Und zwar mit

ihrem Göttergatten und den Kindern. Nach dem Mittagessen soll´s los

gehen. Die Kinder zeigen plötzlich ungeahntes Interesse an der Schule.

Pauline meint am Mittagstisch: „Ach Mama, das hab ich ganz vergessen.

Sophie und ich müssen noch unseren Vortrag für Geschichte fertig

machen. Ich geh gleich nach dem Essen los. Das ist doch okay, oder?“

Mutter Gaby meint zähneknirschend „hmmmm!!!!“ Patrick verhält sich

auch auffallend still am Mittagstisch. Klaus mampft schmatzend seinen

Schweinebraten. Wenig später, das Mittagessen ist beendet, das Geschirr

im Geschirrspüler verschwunden, bittet Gaby-in der Hand zwei Schürzenihre

Männer zum fröhlichen Familienbacken. Die Freude kennt keine

Grenzen, Klaus trabt artig in die Küche, Patrick grummelt ein wenig und

schließt sich an. Der Teig wurde von Gaby schon am Vormittag geknetet.

Hier das Rezept dazu:

Feines Buttergebäck ohne Ei

50g Butter, 300g feines gesiebtes Weizenmehl und 125g Zucker werden

auf dem Backbrett gehackt, bis die Masse sich ballt. Nun wird alles fein

zusammen verknetet und gut kühlgestellt. Den Teig dünn ausrollen und

Förmchen ausstechen. Alles auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech

geben und im vorgeizten Ofen bei 170°C hell abbacken. Anschließend mit

einer fertigen Glasur (Zitrone oder Kakao) und bunten Streusel nach

Belieben dekorieren.

Klaus rollt den Teig aus. Gaby: „Roll doch noch ein bisschen dünner.“

Klaus schweigt. Sie fangen an, auszustechen. Klaus nimmt sich zielsicher

die Rentierform. Gaby: „Klaus, du weißt doch, dass du die nicht nehmen

sollst, da bricht bei den Keksen das Geweih ab.“ Na gut, denkt er sich,

nimmt er eben die Notenform. Auch hier meckert Gaby wieder rum. Der

Notenhals bräche so leicht und außerdem würde der Teig schwer aus der

Form gehen. Klaus wird langsam ungehalten, nimmt sich aber nach

einigem Überlegen eine Blümchenform und glaubt die richtige Wahl

getroffen zu haben. Und prompt: „Klaus, es ist Weihnachten, da kannst du

doch nicht Blumenplätzchen backen!“. Nun platzt Klaus der Kragen. „Dann

gib mit gefälligst die Form, die deiner Meinung nach richtig ist!“ Gaby

reicht ihm einen Tannenbaum und Klaus fängt brav an, Tannenbäume

auszustechen. Patrick sagt, er gehe mal fix auf Toilette und war seit dem

nicht wieder in der Küche gesehen.

Gefühlte 100 Tannenbaum-Plätzchen später: „Klaus stich doch mal

ökonomisch aus, überall bleibt ein Rest. Der Teig wird nicht besser, wenn

wir ihn 1000mal zusammenkneten müssen und wieder ausrollern. Klaus:

„Es kotzt mich an, ständig hast du was zu meckern.“ Sie: „Du kannst ja

ausziehen, wenn es dir nicht passt!“ So fliegen noch ein Weilchen die

Wortfetzen und schließlich besinnt man sich, dass man Plätzchen backen

wollte. Die Mutter macht den Rest allein, der Vater guckt Fernsehen.

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Abends 23:00 Uhr, nachdem zwischen Tür und Angel Abend gegessen

wurde, die Kinder nach schätzungsweise 20mal: „Ich habe Durst, ich muss

nochmal pullern, ach, das muss ich noch schnell für die Schule machen,

ich wollte dir noch was sagen“ usw. im Traumland angekommen sind, die

Stullen für den Gatten in der Brotdose im Kühlschrank verstaut wurden,

geht Gaby ins Bett und ist sauer, wieder einmal nicht den

Sonntagabendkrimi geguckt haben zu können. Fortsetzung folgt.

Fortsetzung – Der Kauf des Weihnachstbaumes

Es ist etwa zwei Wochen vor Weihnachten. Heute soll ein Prachtexemplar

von einer Tanne erworben werden. Groß, gleichmäßig gewachsen, üppig

mit einer schönen A-Form. Klaus sagt: „Wir nehmen deinen Wagen (einen

kleinen Kleinwagen), du fährst.“ Gaby denkt, das ist ja was ganz Neues,

sonst führt kein Weg rein, dass sie die ganze Familie fährt. Ausgerechnet

heute soll nun das fünf-Sterne Deluxe-Auto in der Garage bleiben. Aber

schön, es soll ja ein friedliches Weihnachtsfest werden und so steigt die

ganze Familie inkl. Familienhund in den schnuckligen Zweitürer im

Handtaschenformat.

Am Weihnachtsbaummarkt angekommen, ist man auf der Suche nach

einem Parkplatz und siehe da, ganz hinten rechts im äußersten Winkel ist

tatsächlich etwas frei, wo Gaby das Wägelchen parken kann. Froh das alle

irgendwie heil aus dem Auto gekommen sind, ohne das eigene Auto oder

das des Parknachbarn zu beschädigen, macht man sich auf die Suche

nach der einzig wahren formvollendeten Edeltanne, die bald der ganze

Stolz der Familie sein soll. Leider hatten noch viele andere Leute diese

Idee. Beinah wäre es zu einer Schlägerei gekommen, als Vater Klaus und

ein junger zirka 2m großer und schätzungsweise 130kg schwerer

Familienvater die gleiche Tanne in ihr Visier genommen hatten.

Zum Glück kamen sowohl der Verkäufer als auch Gaby und die Ehefrau

des Anderen noch rechtzeitig, so dass es nur bei einem blaue Auge und

einem abgebrochenen Zahn blieb. Nicht auszudenken, was alles hätte

passieren können.

Endlich hatte man „sie“ gefunden, schön, majestätisch, vollgeformt, alles

dran. „Sie“ wurde bezahlt, verpackt und zum Auto befördert. Hmmm, wie

aber soll „sie“ nun ins Auto? Gaby. „Hätten wir mal DEIN Auto genommen!

Das ist 100mal größer als meins. Aber das ging ja nicht, wahrscheinlich

hast du Angst, dein Auto könnte schmutzig werden.“ Klaus würde nie

zugeben, dass seine Frau recht hatte, also sagte er nur kurz: „Stimmt

nicht, hilf lieber.“ Man hörte Mutter und Vater noch eine Weile fluchen,

Wortfetzen wie „Scheißkiste“, „zieh“, „drück“, „Boahh“ drangen an unser

Ohr. Aber nach einer Stunde war „sie“ im Handtaschenauto verstaut, nur

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die Kinder, der Hund und Gaby hatten keinen Platz mehr und die Wahl, zu

warten, bis Klaus zurück kommt oder zu laufen. Geld für ein Taxi gab´s

auch keins mehr, denn „Ihre grüne Majestät, so einzigartig schön“ hatte

etwas mehr als erwartet gekostet und ec-Kartenzahlung beim Händler ein

Unding. Na jedenfalls waren irgendwann alle wieder zu Hause. Nur der

Hund wollte am nächsten Tag keinen Schritt mehr vor die Tür machen,

wahrscheinlich taten ihm die Füße weh.

Fortsetzung folgt – Der heilige Abend rückt immer näher

Fortsetzung – Der heilige Abend rückt immer näher

Klaus hatte es geschafft „sie“ in den Christbaumständer zu befördern und

sich dabei nur einmal zu schneiden. Und da stand „sie“ nun. Vorsorglich

hatte Gaby das Schmücken allein übernommen, damit die teuren

Weihnachtsbaumkullern nicht kaputt gehen, damit alles dort hängt, wo es

hängen soll und niemand ihre gewohnte Ordnung durcheinanderbringt.

Die Freude über den wunderbar geschmückten Weihnachtsbaum war nur

von kurzer Dauer. Am nächsten Morgen sah Gaby die Bescherung. Mietze

hatte „sie“ als Kratzbaum missbraucht – Kratzspuren, abgebrochene

Zweige, drei kaputte rote Kugeln und der demolierte Glasengel von Tante

Erika waren das Ergebnis dieser Nacht. Weihnachten nähert sich

unaufhaltsam. Fortsetzung folgt.

Fortsetzung – Der Geschenkewahnsinn

Spätestens seit April diesen Jahres hat Gaby damit angefangen,

Weihnachtsgeschenke für die ganze Familie zu horten. Blöd bloß, dass sie

sich nicht erinnern kann, wo sie die ganzen Dinge versteckt hat. Eine

Woche vor Weih-nachten gerät Gaby vollends in Panik. Da werden

Kleiderschränke ausgeräumt, natürlich wird alles wieder lieblos

zurückgeworfen. Es wird in Blumentöpfen nachgesehen, unterm Bett ist in

der Regel neben Staub auch noch das eine oder andere zu finden. Naja,

wie das so ist. Ein Viertel der gekauften Geschenke findet sich wie jedes

Jahr erst nach Weihnachten an. Zum Glück weiß sie, wo die Konzertkarten

fürs Deep Purple-Konzert liegen, die sie ihrem Mann schenken will, damit

er und sein Bruder nochmal die Jugend aufleben lassen können.

Insgeheim hofft sie auf ein ebenso feines und wohlüberlegtes

Weihnachtsgeschenk ihres Gatten. Die Kinder sind im Supermarkt, man

hört sie sprechen, ich brauch noch was für Oma, aber was billiges. Ja, ja

die lieben Kinder, aber wehe sie bekommen was – was billiges. Klaus

macht sich keine Gedanken, denn wie jedes Jahr haben er und seine Frau

beschlossen, sich nichts oder höchstens eine Kleinigkeit zu schenken. Er

weiß auch schon was. Demnächst - Kurz vor dem 24.12.

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Marry
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Re: Eine ganz normale Familie im Advent

Beitragvon Marry » Sa 1. Dez 2012, 11:31

SCHMUNZELN MUSSTE ICH SCHON; WIA IM RICHTIGEN LEBEN
liebe Grüße
Margit
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andrea999999
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Re: Eine ganz normale Familie im Advent

Beitragvon andrea999999 » So 2. Dez 2012, 20:50

ich muss gestehen - ich habs noch nicht ganz gelesen, aber das, was ich gelesen habe ist gut :) :D
Viele Grüsse

Andrea

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